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Im Gespräch mit Bree Carter

Internationaler Frauentag – ein Anlass und eine Erinnerung.

Wir haben sieben Menschen eingeladen, die wir schon lange besser kennenlernen wollten. Sieben Stimmen, von denen wir wussten, dass sie diesem Gespräch etwas Wesentliches hinzufügen würden. Nicht dieselben Geschichten. Nicht dieselben Lebenswege. Sondern Perspektive, Präsenz und die Bereitschaft, offen und ehrlich zu sprechen. Wir haben sie eingeladen, einen Tag mit uns in unserem Flagship Store in der Møntergade in Kopenhagen zu verbringen. Den Raum auf sich wirken zu lassen. Schmuckstücke anzuprobieren. Miteinander Zeit zu verbringen.

Ein Tag, den wir in Erinnerung behalten werden.
Und den wir nun mit Ihnen teilen möchten.

Den Anfang macht Bree Carter

Mit welcher Frau – aus der Vergangenheit oder der Gegenwart – würden Sie am liebsten bei einem Dinner zusammensitzen und warum?

Ich würde meine Mutter wählen. Sie ist gestorben, als ich zwei Jahre alt war, deshalb hatte ich nie die Möglichkeit, sie selbst kennenzulernen. Ich habe keine eigenen Erinnerungen an sie, doch durch meine afroamerikanische Familie habe ich sie auf eine andere Weise kennengelernt. Durch ihre Geschichten und durch die Frauen ihrer Familie, in denen ich sie wiedererkenne, habe ich verstanden, was für ein Mensch sie war. Und indem ich mehr über sie erfahren habe, habe ich auch mich selbst besser verstanden.

Sie war Eiskunstläuferin und träumte davon, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Doch man sagte ihr, dass dieser Traum aufgrund ihrer Hautfarbe niemals Wirklichkeit werden könne. Anstatt diese Grenze zu akzeptieren, entschied sie sich für einen anderen Weg – ebenfalls auf dem Eis. Sie wurde Eislaufprinzessin bei Holiday on Ice und bereiste viele Jahre lang die Welt. Dort lernte sie auch meinen Vater kennen, der ebenfalls Teil der Show war. Gemeinsam führten sie ein Leben voller Bewegung, bevor sie sich schließlich in Dänemark niederließen. 

Ich würde gerne neben ihr sitzen, um ihre Stimme zu hören, ihre Gedanken kennenzulernen und ihre eigene Version ihrer Geschichte zu erfahren. Ich habe immer zu beiden Eltern aufgeblickt, weil sie den Mut hatten, ihren Träumen zu folgen, anstatt den Erwartungen der Gesellschaft. Neben ihr zu sitzen, würde mir das Gefühl geben, meine eigenen Wurzeln noch besser zu verstehen.


Wenn Sie ein System neu gestalten könnten, um das Leben von Frauen zu verbessern – welches wäre das und warum?

Ich würde die Struktur unserer Arbeitswelt neu gestalten. Die meisten beruflichen Systeme sind auf ununterbrochene Produktivität ausgerichtet – historisch geprägt von männlichen Lebensrealitäten und der Annahme, dass sich jemand anderes um Fürsorgearbeit und emotionale Verantwortung kümmert.

Gerade für Frauen kann dieses System eine große Belastung sein, weil von ihnen häufig erwartet wird, beruflichen Ehrgeiz und Verantwortung gleichzeitig zu tragen. Würden wir Arbeit stärker an Nachhaltigkeit, geteilter Fürsorge und Flexibilität ausrichten, könnten wir nicht nur das Leben von Frauen verbessern, sondern auch gleiche Bezahlung und gleiche Chancen fördern – und zugleich neu definieren, was wir unter Erfolg verstehen.

Für mich bedeutet Gleichberechtigung nicht, dass Frauen sich besser an starre Systeme anpassen müssen.

Sie bedeutet, Systeme zu schaffen, die der ganzen Komplexität menschlichen Lebens gerecht werden.

Welche Herausforderung, mit der Frauen heute konfrontiert sind, würden Sie sofort beenden – und warum?

Ich würde den ständigen Druck beenden, unter dem Frauen stehen, sich immer wieder beweisen zu müssen. In vielen Branchen – auch in der Musik – betreten Frauen noch immer Räume, in denen sie zahlenmäßig unterlegen sind. Wenn man als eine der wenigen Frauen unter vielen Männern ist, verändert das die Dynamik. Man wird sichtbarer, aber nicht unbedingt besser gehört.Wenn man die Minderheit im Raum ist – sei es aufgrund des Geschlechts oder der Herkunft –, hat man oft das Gefühl, mehr als nur sich selbst zu repräsentieren. Dieses Ungleichgewicht prägt den Raum, noch bevor man überhaupt spricht, und die eigene Kompetenz wird allein deshalb anders bewertet, weil man eine Frau ist. Dieses ständige Ringen um den eigenen Platz kostet Energie – Energie, die eigentlich für das Wesentliche da sein sollte. Wenn ich eine einzige Herausforderung beseitigen könnte, dann wäre es genau diese. Denn Zugehörigkeit sollte nichts sein, das Frauen sich erst verdienen müssen. Mit genau diesen Themen setzen wir uns auch in unserem kommenden Musikprojekt Bree Is King auseinander – mit dem Spiel von Geschlechterrollen, mit der Erfahrung, das einzige weibliche Mitglied einer Band zu sein, und mit der Frage, wie sich Empowerment durch Kultur und Identität neu definieren lässt.

Der Internationale Frauentag ist zugleich ein Anlass und eine Erinnerung. Ein Anlass, zusammenzukommen. Eine Erinnerung daran, zuzuhören. In den kommenden Tagen werden wir die weiteren Gespräche veröffentlichen – sieben Perspektiven, jede für sich einzigartig und jede von Bedeutung. Wir laden Sie ein, in dieser Woche täglich in unser Journal zurückzukehren und die nächste Stimme zu entdecken.

With Love,
KINRADEN